130 Jahre Boxermotor
1896 baute Carl Benz einen Motor, dessen zwei Kolben sich spiegelbildlich gegenüberlagen. Er nannte ihn „Contra-Motor“. Heute, 130 Jahre später, steckt dieselbe Idee im Porsche 911, in Subarus, in BMW-Motorrädern und in fast jedem Kleinflugzeug. Zeit für einen Geburtstagsgruß an eine der langlebigsten Motorbauarten überhaupt.
Eine einfache Idee mit großer Wirkung
Das Prinzip ist bis heute dasselbe geblieben: Zwei Zylinderreihen liegen sich flach gegenüber, und gegenüberliegende Kolben bewegen sich immer spiegelbildlich, gleichzeitig nach außen und gleichzeitig nach innen. Ihre Massenkräfte heben sich dadurch weitgehend auf. Das Ergebnis ist ein ruhig laufender Motor, der flach baut und einen tiefen Schwerpunkt hat. Benz hatte dieses Ziel schon in seinen Entwurfsskizzen fest im Blick. Wie das im Detail funktioniert, erklärt die Seite Prinzip des Boxers.
130 Jahre in fünf Etappen
Die Anfänge (1896 – 1929): Nach dem Contra-Motor von Benz fand der Boxer schnell den Weg aufs Motorrad. 1923 baute Max Friz in die BMW R 32 einen quer liegenden Zweizylinder-Boxer mit Kardanantrieb. Dieses Konzept prägt BMW-Motorräder bis heute.
Der Boxer für alle (1930 – 1959): Der luftgekühlte Vierzylinder-Boxer im VW Käfer, konstruiert im Büro von Ferdinand Porsche, wurde zum meistgebauten Boxer der Welt. Mehr als 21 Millionen Käfer liefen vom Band. Gleichzeitig zeigten der Citroën 2CV und der Porsche 356, wie vielseitig das Prinzip ist, und Ernst Fuhrmann machte mit seinem Königswellen-Motor im 550 Spyder den Boxer rennfähig.
Der Sechszylinder-Mythos (1960 – 1973): 1963 kam der Porsche 901, der spätere 911, mit einem luftgekühlten Sechszylinder-Boxer. In Japan begann 1966 mit dem Subaru 1000 eine Boxer-Tradition, die bis heute anhält.
Turbo und Rennsport (1974 – 1998): Der 911 Turbo brachte den Abgasturbolader in die Serie, Porsche gewann mit Turbo-Boxern sieben Mal in Folge die 24 Stunden von Le Mans, und Subaru holte mit dem Boxer im Impreza drei Rallye-Markentitel. Mit dem 993 endete 1998 die Ära des luftgekühlten 911.
Wasserkühlung und Elektrifizierung (seit 1996): Wasserkühlung, Direkteinspritzung, Turbo für alle und schließlich 2024 der erste 911 mit Hybridantrieb. Der Boxer hat sich immer wieder neu erfunden, ohne aufzuhören, ein Boxer zu sein.
Die ganze Geschichte mit fast 40 Meilensteinen und den Porträts der wichtigsten Ingenieure findest Du im historischen Zeitstrahl.
Der Boxer in Zahlen
- 1896: Carl Benz entwickelt den Contra-Motor, den ersten Boxermotor.
- 2: So viele Zylinder hat der BMW-Boxer seit 1923, heute mit 1.300 cm³ und 145 PS in der R 1300 GS.
- 375 cm³: So klein war der erste Zweizylinder-Boxer im Citroën 2CV von 1948.
- 130 PS: leistete der erste Sechszylinder-Boxer im Porsche 911 von 1963 aus 2,0 Litern.
- 541 PS: Systemleistung des 911 Carrera GTS T-Hybrid von 2024.
- 7: Le-Mans-Siege in Folge für Porsche von 1981 bis 1987, alle mit Sechszylinder-Boxer.
- über 120: Fahrzeuge mit Boxermotor in unserem Fahrzeugverzeichnis.
Wo der Boxer heute arbeitet
Ehrlich gesagt: Der Boxer ist seltener geworden. Viele Hersteller sind auf Reihenmotoren umgestiegen, und die Elektromobilität macht dem Verbrenner insgesamt Konkurrenz. Selbst Porsche hat die Verbrenner-Versionen von Boxster und Cayman auslaufen lassen. Ganz verschwunden ist der Boxer aber nicht:
- Im Porsche 911 arbeitet er weiter, inzwischen auch mit Hybridunterstützung.
- Subaru baut den Boxer weiterhin, etwa im Forester und im BRZ.
- BMW hat mit der R 1300 einen komplett neuen Boxer entwickelt und mit der R 18 einen klassischen „Big Boxer“ dazugestellt.
- Die Honda Gold Wing fährt mit einem Sechszylinder-Boxer.
- In Leicht- und Ultraleichtflugzeugen ist der Boxer seit fast hundert Jahren die Standardbauart.
Warum uns der Boxer nicht loslässt
Vielleicht ist es der Klang: das kernige Blubbern eines luftgekühlten Käfers, das metallische Kreischen eines hochdrehenden 911-Sechszylinders oder das typische Wackeln einer BMW, wenn man im Stand Gas gibt. Vielleicht ist es die Technik, die man im wahrsten Sinne des Wortes begreifen kann: zwei Kolben, die sich gegenüber stehen und gegenseitig ausgleichen. Und vielleicht ist es einfach die Geschichte. Kaum eine andere Bauart hat so viele unterschiedliche Fahrzeuge angetrieben, vom Volksauto bis zum Le-Mans-Sieger.
Herzlichen Glückwunsch, Boxer. Auf die nächsten Jahre!
Und Dein Boxer?
Fährst Du einen Käfer, eine Ente, einen Subaru, einen 911 oder eine BMW mit Boxer? Oder schraubst Du gerade an einem Boxer-Projekt? Ich freue mich über Deine Geschichte und Fotos, gerne auch als Anregung für einen der nächsten Blogbeiträge. Schreib mir.