Prinzip des Boxermotors
Zwei Zylinderreihen, flach gegenüber, die Kolben schlagen gleichzeitig nach außen wie die Fäuste zweier Boxer: Hier erfährst Du, wie ein Boxermotor aufgebaut ist, warum er so ruhig läuft, wo er herkommt und wo er heute noch eingesetzt wird.
Kurz erklärt DEFINITION
Ein Boxermotor ist ein Hubkolbenmotor, bei dem die Zylinder in zwei Reihen flach zu beiden Seiten der Kurbelwelle liegen, mit einem Zylinderbankwinkel von 180°. Entscheidend ist: Jeder Zylinder hat einen eigenen Hubzapfen an der Kurbelwelle, und die Zapfen gegenüberliegender Zylinder sind um 180° versetzt. Dadurch bewegen sich gegenüberliegende Kolben immer spiegelbildlich, also gleichzeitig nach außen und gleichzeitig nach innen.
Die DIN 1940 beschreibt den Boxermotor als Anordnung der Zylinder in einer Ebene mit zwei einander gegenüberliegenden Zylinderreihen, bei der die Kurbelwelle je Zylinder einen Kurbelzapfen hat.
Genau das unterscheidet den Boxer vom 180°-V-Motor, der von außen gleich aussieht. Dort teilen sich zwei gegenüberliegende Pleuel einen Hubzapfen, die Kolben laufen also in dieselbe Richtung. Berühmte Beispiele sind der Ferrari Testarossa und der Porsche 917. Mehr dazu auf der Seite V-Boxer. Im Englischen heißen beide Bauarten oft einfach „flat engine“, nur der echte Boxer ist ein „boxer engine“.
Ein Boxermotor hat immer eine gerade Zahl von Zylindern. Üblich sind zwei, vier und sechs Zylinder, im Rennsport und bei Flugzeugen gab es auch acht, zwölf und mehr.
Geschichte 1896 BIS HEUTE
1896 entwickelte Carl Benz einen Zweizylindermotor mit gegenüberliegenden Zylindern und nannte ihn „Contra-Motor“. Er gilt als erster Boxermotor. Benz erkannte schon in seinen Entwurfszeichnungen den Vorteil des guten Massenausgleichs. Der Contra-Motor trieb unter anderem den Benz Dos-à-Dos an, dessen Name („Rücken an Rücken“) von der Sitzanordnung kommt. Es gab ihn in mehreren Hubraumgrößen, ab 1898 auch mit 4,2 Litern in Omnibussen.

Benz Dos-à-Dos („Rücken an Rücken“) mit Contra-Motor

Skizze von Carl Benz
Danach ging es Schlag auf Schlag. Einige Meilensteine:
- 1923: Die BMW R 32, das erste Motorrad von BMW, hat einen quer eingebauten Zweizylinder-Boxer. Diese Bauart prägt BMW-Motorräder bis heute.
- 1938/1945: Der luftgekühlte Vierzylinder-Boxer von Ferdinand Porsche im VW Käfer wird zum bekanntesten Boxermotor der Welt. Er treibt später auch den VW Bus (T1 bis T3) an.
- 1948: Der Porsche 356 startet mit einem Vierzylinder-Boxer auf Käfer-Basis. Im selben Jahr kommt der Citroën 2CV („Ente“) mit Zweizylinder-Boxer auf den Markt.
- 1963: Der Porsche 901/911 bekommt einen Sechszylinder-Boxer mit 2,0 Litern und 130 PS. Der 911 ist bis heute ohne Boxer nicht denkbar.
- 1966: Subaru bringt mit dem Subaru 1000 seinen ersten Boxermotor. Später wird die Kombination aus Boxer und symmetrischem Allradantrieb zum Markenzeichen.
- 1971: Der Alfa Romeo Alfasud bekommt einen wassergekühlten Vierzylinder-Boxer.
- 1975: Die Honda Gold Wing startet mit einem Vierzylinder-Boxer, seit 1988 hat sie sechs Zylinder.
- Bis heute: In kleinen Flugzeugen sind Boxermotoren von Lycoming, Continental und Rotax die Standardlösung. Sie bauen flach, sind luftgekühlt oder teilweise wassergekühlt und gut auszuwuchten.
Aufbau KONSTRUKTION
Weil jeder Zylinder einen eigenen Hubzapfen braucht, liegen die beiden Zylinderreihen nicht exakt gegenüber, sondern um etwa eine Pleuelbreite in Längsrichtung versetzt. Daher stammt der Ausdruck „leicht versetzt gegenüber“.
Die Kurbelwelle ist kurz: Ein Vierzylinder-Boxer hat pro Seite nur zwei Zylinder und baut deshalb deutlich kürzer als ein Reihenvierzylinder. Theoretisch genügen beim Vierzylinder drei Kurbelwellenlager. In der Praxis haben viele Motoren mehr, zum Beispiel der Käfer-Motor vier und der luftgekühlte Porsche-Sechszylinder acht Hauptlager. Jede Zylinderreihe hat einen eigenen Zylinderkopf, bei obenliegenden Nockenwellen also mindestens zwei Nockenwellen.
Massenausgleich LAUFRUHE
Beim Boxer heben sich die Massenkräfte gegenüberliegender Kolben weitgehend auf, weil sie sich immer in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Ganz perfekt ist das aber nicht bei jeder Zylinderzahl, denn durch den Versatz der Zylinderreihen bleiben kleine Momente übrig, die den Motor um seine Hochachse „wippen“ lassen wollen:
| Zweizylinder | Massenkräfte 1. und 2. Ordnung ausgeglichen, es bleiben freie Momente 1. und 2. Ordnung (durch den Zylinderversatz). Typisches Beispiel: BMW-Motorrad, Citroën 2CV. |
|---|---|
| Vierzylinder | Massenkräfte 1. und 2. Ordnung ausgeglichen, ebenso die Momente 1. Ordnung. Übrig bleibt ein kleines Moment 2. Ordnung. Schon deutlich ruhiger als ein Reihenvierzylinder, der freie Massenkräfte 2. Ordnung hat. |
| Sechszylinder | Kräfte und Momente 1. und 2. Ordnung vollständig ausgeglichen, wie beim Reihensechszylinder. Deshalb gilt der Sechszylinder-Boxer als besonders laufruhig. |
Ein Reihenmotor erreicht eine vergleichbare Laufruhe erst ab sechs Zylindern, ein Boxer schon mit vier. Das bekannte Bild von der Münze, die man auf den laufenden Motor stellen kann, ohne dass sie umfällt, passt am besten zum Sechszylinder-Boxer.
Vor- und Nachteile BEWERTUNG
Vorteile
- Sehr guter Massenausgleich und dadurch ruhiger, vibrationsarmer Lauf
- Flache Bauweise und tiefer Schwerpunkt, gut für Fahrdynamik und für Unterflur- oder Heckmotoren
- Kurze, steife Kurbelwelle
- Symmetrischer Aufbau, der sich gut mit symmetrischen Antriebssträngen verbinden lässt (Subaru-Allrad)
- Gut für Luftkühlung geeignet, weil die Zylinder frei im Fahrtwind oder im Gebläsestrom liegen
- Bei einem Frontalaufprall kann der flache Motor unter die Fahrgastzelle rutschen
Nachteile
- Großer Bauaufwand: zwei Zylinderköpfe, doppelte Nockenwellen und Ventiltriebe, mehr Teile
- Große Baubreite, für Quereinbau ungeeignet, und das Fahrzeug muss um den Motor herum konstruiert werden
- Längere Abgaswege, was die schnelle Aufheizung des Katalysators erschwert
- Drei- und Fünfzylinder sind nicht möglich, Downsizing auf drei Zylinder scheidet also aus
- Höhere Produktionskosten als bei einem vergleichbaren Reihenmotor
Bezeichnung der Zylinder DIN 73021
Die DIN 73021 legt fest, wie die Zylinder von Mehrzylindermotoren nummeriert werden. Die Zählung beginnt an der Seite, die der Kraftabgabe gegenüberliegt. Beim Boxermotor liegt Zylinder 1 in der linken Zylinderreihe, gegenüber der kraftabgebenden Seite. Gezählt wird in der Reihe fortlaufend und dann in der im Uhrzeigersinn folgenden Reihe weiter.

Viele Hersteller halten sich nicht daran. Bei den Vierzylinder-Boxern von VW und Porsche beginnt die Zählung zum Beispiel in der rechten Zylinderreihe an der kraftabgebenden Seite. Wer an einem Motor schraubt, sollte deshalb immer im Werkstatthandbuch nachsehen.
Zündfolge ZÜNDABSTAND
Der Zündabstand ergibt sich aus 720° (zwei Kurbelwellenumdrehungen für einen vollständigen Viertakt-Zyklus) geteilt durch die Zahl der Zylinder.
Zweizylinder-Boxer

Zündabstand 360°, ein Arbeitstakt je Kurbelwellenumdrehung. Beide Kolben gehen gleichzeitig nach außen, gezündet wird abwechselnd links und rechts.
Vierzylinder-Boxer

Zündabstand 180°, ein Arbeitstakt je halber Kurbelwellenumdrehung.
Zündfolge zum Beispiel 1-4-3-2 (VW-Käfer-Motor) oder 1-3-2-4 (Subaru), jeweils mit der herstellereigenen Zylindernummerierung.
Sechszylinder-Boxer
Zündabstand 120°, ein Arbeitstakt je Drittel-Kurbelwellenumdrehung. Zündfolge beim Porsche 911: 1-6-2-4-3-5.
Die Arbeitstakte überschneiden sich wie beim Reihensechszylinder.
Der Boxer heute STAND OKTOBER 2026
Strengere Abgasvorschriften und die Elektrifizierung haben die Zahl der Boxermotoren schrumpfen lassen. Ganz verschwunden ist er aber nicht:
- Porsche 911 (992.2): Der 911 Carrera hat einen 3,0-Liter-Biturbo-Boxer. Der 911 Carrera GTS hat seit 2024 einen neu entwickelten 3,6-Liter-Boxer mit „T-Hybrid“: Ein elektrischer Abgasturbolader und eine E-Maschine im Getriebe helfen mit. Der Verbrenner allein leistet 485 PS, das ganze System 541 PS. Es ist der erste straßenzugelassene 911 mit Hybridantrieb, und Porsche will den 911 auch künftig nicht als reines Elektroauto bauen.
- Porsche 718 Boxster/Cayman: Die Vier- und Sechszylinder-Boxer der Baureihe 982 sind ausgelaufen, in der EU schon früher. Die Nachfolger kommen zunächst elektrisch.
- Subaru: Der 2,5-Liter-Boxer FB25 lebt weiter, unter anderem im neuen Forester. Den gibt es in einigen Märkten erstmals als Vollhybrid („Strong Hybrid“ bzw. e-Boxer der zweiten Generation). Für Europa ist dieser Vollhybrid laut Fachpresse nicht geplant, dort setzt Subaru künftig vor allem auf Elektroautos. Den 2,4-Liter-Boxer FA24 gibt es unter anderem im BRZ und im Toyota GR86.
- BMW Motorrad: Der wassergekühlte Zweizylinder-Boxer wuchs auf 1.300 cm³ und leistet 145 PS und 149 Nm, zuerst in der R 1300 GS, seit 2025 auch in R 1300 R, RS und RT. Dazu kommen die luft-/ölgekühlten Boxer der Heritage-Modelle R 12 und R 18.
- Honda Gold Wing: Der Sechszylinder-Boxer mit 1,8 Litern ist eine der wenigen Sechszylinder-Maschinen auf zwei Rädern.
- Luftfahrt: In Leicht- und Ultraleichtflugzeugen ist der Boxer, etwa von Lycoming, Continental oder Rotax, weiterhin die Regel.
Spezielle Boxer VARIANTEN
- Inline-Boxermotor: Zylinder exakt auf einer Achse, mit Doppelpleuel
- Gegenkolbenmotor: zwei Kolben in einem Zylinder
- H-Motor: zwei Boxer übereinander
- V-Boxer: verschränkte Zylinder und der „falsche Boxer“ mit 180°-V
Fragen & Antworten FAQ
Warum heißt der Boxer Boxermotor?
Der Name kommt von der Bewegung der Kolben: Sie stoßen gleichzeitig nach außen und wieder zurück, ähnlich wie die Fäuste zweier Boxer, die gegeneinander schlagen.
Ist jeder flache Motor ein Boxer?
Nein. Teilen sich gegenüberliegende Pleuel einen Hubzapfen, ist es ein 180°-V-Motor. Der Ferrari 512 BB („Berlinetta Boxer“) und der Testarossa tragen den Boxer im Namen bzw. im Ruf, haben aber technisch einen 180°-V12.
Warum gibt es keinen Dreizylinder-Boxer?
Weil jeder Zylinder einen Gegenspieler braucht. Ein Boxer hat deshalb immer eine gerade Zylinderzahl.
Ist ein Boxermotor besonders sparsam?
Nicht automatisch. Der Verbrauch hängt vor allem von Brennverfahren, Hubraum und Fahrzeug ab. Die Bauweise bringt Vorteile bei Laufruhe und Schwerpunkt, aber auch mehr Reibung durch zwei Zylinderköpfe und längere Abgaswege.
Boxermotor in anderen Sprachen
- Bulgarisch: боксерен двигател
- Dänisch: boksermotor
- Englisch: boxer engine, flat engine
- Finnisch: bokserimoottori
- Französisch: moteur boxer, moteur à plat
- Hebräisch: מנוע בוקסר
- Isländisch: gagnstrokka hreyfill
- Italienisch: motore boxer, motore a cilindri contrapposti
- Japanisch: 水平対向エンジン (suihei taikō enjin)
- Katalanisch: motor bòxer
- Niederländisch: boxermotor
- Norwegisch: boksermotor
- Persisch: موتور بوکسوری
- Polnisch: silnik o przeciwległych cylindrach (bokser)
- Portugiesisch: motor boxer
- Russisch: оппозитный двигатель
- Schwedisch: boxermotor
- Spanisch: motor bóxer
- Tschechisch: motor boxer
- Türkisch: boksör motor
- Ungarisch: boxermotor



