V-Boxer

Unter „V-Boxer“ versteht man zwei ganz verschiedene Dinge: einen Vierzylinder mit verschränkten Zylindern, den der Schweizer Willy Salzmann entwarf, und den 180°-V-Motor, der wie ein Boxer aussieht, technisch aber keiner ist.

Der V-Boxer von Willy Salzmann VERSCHRÄNKTE ZYLINDER

Der Schweizer Ingenieur Willy Ernst Salzmann aus Solothurn war ein Tüftler, der sich vor allem mit Fahrzeugachsen beschäftigte. Um seine patentierte „Zweigelenk-Elastikachse“ am Genfer Autosalon besser in Szene zu setzen, baute er dafür 1956 eigens ein Auto: den Soletta 750, benannt nach dem italienischen Namen seiner Heimatstadt. Der Kleinwagen hatte eine Kunststoffkarosserie, symmetrisch konstruierte, gegenläufig öffnende Türen und einen luftgekühlten Zweizylinder-Boxer mit rund 750 cm³ und 22 PS. Er blieb ein Einzelstück, das noch heute erhalten ist.

Für den Soletta entwarf Salzmann später einen kompakten Vierzylinder, den V-Boxer (in manchen Quellen auch X-Boxer genannt). Bei ihm sind die Zylinder verschränkt angeordnet: Blickt man entlang der Kurbelwelle, stehen die Zylinder nicht flach in einer Ebene, sondern in einem Winkel versetzt zueinander, ähnlich einem flachen X. Der Motor sollte die Laufruhe eines Boxers mit einer kürzeren und kompakteren Bauform verbinden. Den Prototyp von 1969 gab es nie in Serie.

V-Boxer mit verschränkten Zylindern
Verschränkte Anordnung der Zylinder, Blick entlang der Kurbelwelle

Der 180°-V-Motor DER „FALSCHE“ BOXER

Viel häufiger ist mit „V-Boxer“ oder „Flachmotor“ der 180°-V-Motor gemeint. Von außen sieht er aus wie ein Boxer: zwei Zylinderreihen, flach gegenüber. Der Unterschied steckt in der Kurbelwelle.

Boxermotor / 180°-V-Motor
Hubzapfenje Zylinder ein eigener Zapfen / zwei gegenüberliegende Pleuel teilen sich einen Zapfen
Kolbenbewegunggegenüberliegende Kolben spiegelbildlich (gleichzeitig nach außen) / gegenüberliegende Kolben in dieselbe Richtung
Kurbelwellemehr Kröpfungen, etwas länger / weniger Kröpfungen, kürzer und leichter
Massenausgleichgegenüberliegende Kolben gleichen sich gegenseitig aus / jede Zylinderreihe muss für sich ausgeglichen sein, das gelingt bei 12 Zylindern (zwei Reihensechser) sehr gut

Ein 180°-V-Motor lohnt sich vor allem bei vielen Zylindern. Ein 180°-V12 entspricht zwei Reihensechszylindern auf einer gemeinsamen Kurbelwelle und ist damit vollständig ausgeglichen, braucht aber nur sechs Hubzapfen statt zwölf.

Berühmte 180°-V-Motoren BEISPIELE

  • Ferrari 312B (ab 1970): Formel-1-Wagen mit flachem Zwölfzylinder. Das „B“ steht für Boxer, technisch war es aber ein 180°-V12. Die Nachfolger 312T holten in den 1970er-Jahren mehrere WM-Titel.
  • Ferrari 365 GT4 BB und 512 BB: „BB“ steht für „Berlinetta Boxer“, unter der Haube arbeitet ebenfalls ein 180°-V12.
  • Ferrari Testarossa, 512 TR und F512 M: die bekanntesten Straßenautos mit diesem Motor, gebaut von 1984 bis Mitte der 1990er-Jahre.
  • Porsche 917: Der legendäre Langstrecken-Rennwagen, Le-Mans-Sieger 1970 und 1971, hatte einen luftgekühlten Zwölfzylinder in 180°-V-Bauweise (Typ 912), obwohl er oft „Boxer“ genannt wird.

Die Bezeichnung „Boxer“ ist bei diesen Autos also eher Marketing und Gewohnheit als Technik. Wie ein echter Boxer aufgebaut ist, erfährst Du auf der Seite Prinzip des Boxers.